Modemantras

5 Jul

Fashion Week in Berlin.

Es gibt, meiner Beobachtung nach, verschiedene Kategorien von Menschen, die Einladungen zu den Shows bekommen.

1. Die Schönen und Berühmten, bei denen die Modedesigner sich erhoffen, dass ihre Kollektionen zukünftig auf roten Teppichen getragen und somit adäquat und medienwirksam repräsentiert werden.

2. Die Reichen, bei denen es den Designern vermutlich relativ egal ist, ob diese Menschen optische Adäquanz zur Kollektion aufweisen, Hauptsache, sie zahlen genug Geld dafür und kaufen viel.

3. Die Wichtigen, die in der richtigen Bar oder dem richtigen Club dem richtigen Modemenschen die richtige Designerdroge ausgegeben haben.

4. Die Szene, die selbst „was mit Mode“ oder „was mit Medien“ macht.

5. Menschen, die zufälligerweise eine junge, sympathische, talentierte und aufstrebende Modedesignerin als Nachbarin haben.

In welche Kategorie man uns nun einordnen mag, sei jedem selbst überlassen (bei der Zuordnung zu Kategorie 1-4 bitte ich jedoch aus eigenem, selbstreflektivem Interesse um die Darstellung der Gründe mittels eines Kommentars).

Jedenfalls fahren wir hin.

Und nahezu jede Frau stünde wohl an meiner Stelle vor dem Problem: Was ziehe ich denn da bloß an?

Die Modewelt scheint festen Regeln unterworfen.

Beginnend bereits bei der Heidi-Klum-Dreierregel: Wenn man sich für eine auffällige Farbe im Outfit entscheidet, sollte sich diese dreimalig wiederfinden. Beispielsweise Schuhe, Gürtel, Tasche. Ebenso geht aber auch Tuch, Hut, Nagellack. Oder so.

Habe ich auf der letzten Fashion Week beherzigt. War aber, glaube ich, die Einzige.

Also. Nicht der Berlin-Style.

Was aber dann?

Natürlich habe ich bei der letzten Fashion Week vor 6 Monaten beobachtend Recherche betrieben.

Und danach eine neue Regel aufgestellt. Für den Berliner Fashion Code benötigt man

1. ein Designerstück

2. ein Mainstream-Billigteil (H&M, Zara etc)3. was Abgefucktes vom Flohmarkt ( Vintage-Stiefel, Retro-Brille, dreckige Straußenlederhandtasche seien hier als Beispiele genannt)

4. was Selbstgemachtes (Nähen, Stricken, Häkeln, Kleben, Flechten, Knoten: alles erlaubt!)

5. und: etwas zum Rest des Outfits (für den Provinzler oder Fashion-Laien) definitiv überhaupt nicht Passendes wie Neon-Tennissocken, Bommelmütze, Uralt-Sneakers mit bunten Schnürsenkeln, Jogginghose).

In meinem Kleiderschrank alles vorhanden.

Aber, im sich ständig wandelnden, dem Trend immer eine Zehntelsekunde vorauseilenden, stylingaffinen Berlin ist auch dieses Mode-Mantra vermutlich bereits seit 5 1/2 Monaten wieder überholt.

Insofern werde ich mich outen. Als Provinzlerin. Außenseiterin. Fashionverweigererin.

Bevor man glauben könnte, ich hechtete einem Trend hinterher, trage ich vielleicht einfach mal ein innovatives, modisches, extravagantes Schwarz.

Eine Antwort to “Modemantras”

  1. MW 5. Juli 2012 um 17:19 #

    Geh doch nackt.

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